04.12.11

SVP-Nationalrat Adrian Amstutz: Bescheidenheit im Erfolg und Gelassenheit in der Niederlage

Adrian Amstutz, SVP Nationalrat, Unternehmer und grosser Schwingfan

Der Berner SVP-Nationalrat Adrian Amstutz ist ein grosser Schwingfan und u.a. Mitglied des Schwingklub Thun. schwingenonline.ch hat nach den Ständeratswahlen mit dem Richard Gere aus dem Oberland (SF Tagesschau) über seine Liebe zum Schwingsport, Schwingen im Bundeshaus, Christian Levrat, sowie Niederlagen und Erfolg gesprochen. Zudem hat er für uns seinen Schwinger-Bundesrat zusammengestellt.

INTERVIEW VON RENÉ WILLENER (rw)

Adrian Amstutz trifft man immer wieder an den Schwingfesten an. Du bist Mitglied im Schwingklub Thun und warst Präsident des Thuner Bewerbungskomitee für das eidgenössische Schwingfest 2013 in Thun. Was fasziniert Dich persönlich am Schwingsport?
Die Urtümlichkeit,  die Fairness und natürlich die sportlichen Höhepunkte in der einmaligen Stimmung inmitten der Schwingerfamilie.

Welches war dein erstes Schwingfest, dass Du besucht hast, und was war bis Heute deine prägendste Erinnerung, welche Du in einer Schwingarena erlebt hast?
Ich habe als Zehnjähriger selber am Buebeschwinget Sigriswil teilgenommen und dort sogar eine kleine Glocke gewonnen. (lacht) Das schönste Erlebnis war natürlich der Schlussgang am letzten Eidgenössischen in Frauenfeld, als Wenger Kilian mit seiner eindrücklichen Leistung Schwingerkönig wurde.

Nicht nur Adrian Amstutz, sondern auch einige andere Politiker und Politikerinnen suchen vermehrt am Sonntag Abwechslung auf dem Schwingplatz. Wird eigentlich während der Session ab und zu auch in der Wandelhalle über unseren Nationalsport diskutiert?
Selbstverständlich und natürlich insbesondere vor und nach grossen Schwingfesten. Da gehen die Wellen manchmal hoch.

Wer ist der grösste Schwingexperte im Bundeshaus?
Eindeutig der neu gewählte Schwyzer Ständerat Peter Föhn. Er kennt sich in der Schwingerszene bestens aus.

Wie im Schwingen beim Wettkampf, wird auch in der Politik bei Abstimmungen, Debatten oder Vorlagen gegen die Gegnern auf Biegen und Brechen gekämpft. Die Schwinger sitzen nach der Entscheidung und der Rangverkündigung mit ihren Kontrahenten zusammen an einen Tisch und lassen den Abend meistens gemeinsam und kameradschaftlich ausklingen. Gibt es solche Paralellen auch in der Politik? Trifft sich Adrian Amstutz nach einer hitzigen Debatte am Abend zum Beispiel mit SP- Präsident Christian Levrat zu einem Glas Wein oder einem kühlen Bier?
Ja, ich kann nach hitziger Debatte in der ARENA mit Christian problemlos bei einem Glas Wein entspannt und humorvoll über Gott und die Welt diskutieren. Über das Schwingen leider nicht. (lacht)

Das Unspunnen-Schwinget war der klare Saisonhöhepunkt im Schwingkalender 2011. Die Berner galten im Vorfeld zu Recht als klare Favoriten auf den Festsieg. Wie wir heute wissen, kam es anders. Nicht zuletzt weil sich die anderen vier Technischen Leiter in erster Linie gegen die Berner einsetzten, fand Samuel Feller (anm. der Redaktion: Technischer Leiter des Berner Schwingerverband) keine Mehrheiten in der Einteilung und die Berner Topfavoriten fielen schon vor dem Mittag aus der Entscheidung um den Festsieg.
Auch der favorisierte Adrian Amstutz musste diese Erfahrung beim zweiten Wahlgang bei den Ständeratswahlen machen, da sich praktisch sämtliche Parteien ausser der SVP gegen Dich einsetzten. Für viele Wähler war es wahrscheinlich wichtiger Amstutz zu verhindern, als die anderen Kandidaten zu wählen. Ähnlich erging es daher beim Unspunnen den Favoriten Wenger, Sempach, Forrer, Gisler,….   Siehst Du auch gewisse Ähnlichkeiten zwischen den beiden Ereignissen? Und wie gehst Du persönlich mit dieser Niederlage um?
Klar gibt es gewisse Parallelen. Aber eine Niederlage bleibt eine Niederlage. Es bringt nichts, im Nachhinein allfällige Widrigkeiten zu bejammern. Als ehemaliger Spitzensportler weiss ich, dass die Schattenseite des Erfolges eben der Misserfolg ist. Ich habe im Wettkampfsport gelernt zu gewinnen, aber eben auch gelernt  zu verlieren. Das ist wohl eine der wertvollsten Lebenserfahrungen überhaupt, und darum kann ich mit Niederlagen heute gut umgehen.  Ich halte mich an meinen Grundsatz; Bescheidenheit im Erfolg und Gelassenheit in der Niederlage.

Für die "Verlierer" beim Unspunnen beginnt schon die Vorbereitung auf den nächsten Grossanlass, dem Eidgenösischen Schwingfest in Burgdorf 2013. Auch Adrian Amstutz wird nach dieser Enttäuschung seinen politischen Weg weitergehen. Auf ihn wartet viel Arbeit im Nationalrat. (anm.d. Red. Amstutz wurde mit dem besten Resultat im Kanton Bern zum Nationalrat wiedergewählt.) Für die Schwinger gilt der Königstitel als höchstes Ziel. In der Politik wird die Krone auf sieben Köpfe verteilt. Du hast Dich schon vor dem zweiten Wahlgang erneut gegen eine Bundesratskandidatur ausgesprochen. Ist dieser Entscheid definitiv, oder wird sich Adrian Amstutz zu einem späteren Zeitpunkt doch einmal dieser Herausforderung stellen?
Mein Entscheid ist klar. Ich will nicht Bundesrat werden.

Wir bleiben noch beim Thema Bundesrat. Im Dezember stehen die Bundesratswahlen auf dem Programm. So wie es Heute aussieht wird es schwierig für die SVP den angestrebten zweiten Sitz zu erobern. Aus strategischen Gründen wirst Du mir sicher nicht verraten, für welche sieben Kandidaten Adrian Amstutz seinen Stimmzettel in die Urne legt. Wie würde aber dein Bundesrat aussehen, wenn Du nur aus aktuellen Schwingern auswählen könntest? (Im Amstutz-Dreamteam sollten nach Möglichkeit mehrere Teilverbände vertreten sein, wie im Bundesrat.
Glarner Matthias, Grab Martin, Graber Willy, Schuler Christian, Sempach Matthias, Wenger Kilian und Zbinden Stefan.

Spitzenschwinger Matthias Sempach bezeichnet Dich als einer seinen absoluten Lieblings-Politiker. Hast Du eigentlich auch einen Lieblingsschwinger?
Die Sympathie ist bekanntlich gegenseitig. Einen eigentlichen Lieblingsschwinger habe ich nicht. Ich bewundere die Schwinger für ihren Einsatz und geniesse deren Wettkampfleistungen.

Zum Schluss noch wie gefällt Dir eigentlich das Newsportal schwingenonline.ch?
Schön gemacht und äusserst informativ…. Schlicht hervorragend.

Besten Dank für das Interview und bis bald an den Schwingfesten.

Adrian Amstutz (58) wohnhaft in Schwanden ob Sigriswil (BE) ist verheiratet mit Esther und haben drei gemeinsame Kinder (Gaby, Evelyne und Christian). Er ist Unternehmer und Mitinhaber der Amstutz Aplanalp Birri AG, Zentralpräsident ASTAG und ist zudem im Exekutivrat von Swiss Oympic. Er hat Ausbildungen als Maurer, Hochbauzeichner, Hochbaupolier und Diplomtrainer Swiss Olympic. Der sportliche Amstutz ist u.a. Weltcupsieger 1978 und sechsfacher Schweizermeister im Fallschirmspringen. Der BLICK schreibt sogar: "Amstutz gilt aufgrund seiner Attraktivität als Richard Gere des Oberland. Weitere Informationen zu Adrian Amstutz finden Sie auf www.adrian-amstutz.ch.

Weitere spannende Artikel:


Kommentar hinterlassen

Nachrichten aus dem Schwingen

Feste

30. April 2019.- Endlich ist es soweit. Ab dem 5. Mai 2019 geht es...mehr »

Feste

Dieser Beitrag ist April, April!!! Besten Dank für den Spass. 2. April 2019/schwingenonline.ch April...mehr »

Schwinger

Ittigen, 18.9.2018 – Bereits zum 40. Mal findet am 2. November 2018 der Sporthilfe...mehr »

Feste

Schwägalp AR – Die Kranzfestsaison wird am kommenden Sonntag mit dem Schwägalp Schwinget beendet....mehr »