16.04.12

Exklusiv – Dagobert Cahannes: «Jetzt rede ich, und ihr hört mir bitte zu! Ich bin kein Störenfried.»

Dagobert Cahannes_SkiWM_Garmisch_2011_ Quelle:SFonline - schwingenonline.ch

Grenchen SO /fox – Er hat fast die Postur eines Sumo-Ringers, aber nein er ist kein Jumbo-Schwinger. Seine Stimme ist sein Merkmal. Die Rede ist vom Speaker der Nation (Zitat: NZZ) „Dagobert «Dago» Cahannes (62). Er führt wohl wie kein Zweiter durch die grössten Sportevents des Landes. Mit seinem Charme und einem Mix aus sachlichen Kommentaren und Unterhaltung prägt er diese Veranstaltungen wesentlich mit. Bereits sieben Mal führte der Grenchner 50'000 Schwingfans zweisprachig durch das Eidgenössische, ohne dabei selbst jemals zum (negativen) Thema zu werden (Anm. der Red.: Für einen Speaker ist das die Bestätigung für ein gutes Arbeitszeugnis). Zuletzt führte er zum zweiten Mal auch gekonnt durch das Unspunnen in Interlaken 2011.

Schwingen boomt, und es sind nicht zuletzt auch teilweise an Nicht-Kranzfesten wie z.B. das Rheintal-Oberländische in Mels, mehrere tausend Zuschauer (4'200) vor Ort.
schwingenonline.ch hat mit dem Grenchner der in Rorschach geboren wurde, über die aktuelle Speaker-Situation an den Schwingfesten gesprochen.

1992 am Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Olten hattest Du deine Premiere. Zusammen mit Hans Jucker selig, amtest Du als Speaker.
DC: Ja, wir haben uns als erstes gefragt, wie machen wir das!? Es hiess, wir müssten einfach die „wichtigsten Kämpfe“ ansagen. Für uns war schnell klar, dass es dies nicht sein kann. Wir hatten den Ehrgeiz , dass wir jede Paarung ansagen und die Resultate durchgeben wollten – auch auf französisch. Übrigens, das ist auch heute noch so.

Schwingen ist im Trend und dadurch steigen nicht zuletzt auch immer mehr die Anforderungen an die Veranstalter. Am Anlass selber zählt der Speaker zu den „wichtigsten“ Akteuren, oder?
DC: Absolut, der Speaker ist derjenige der durch das Fest führen darf. Mit einer schlechten Leistung können wir ein Fest – und damit die grossartige Arbeit von Hunderten freiwilligen Helfern – kaputt machen. Also ist es unsere Pflicht – wie die Sportler – das Beste zu geben.

Du sagst, durch den Anlass führen muss. Leider erleben wir das an den Schwingfesten noch viel zu wenig. Fehlt es da nicht an Know how und Können?
DC: Ja, da ist wirklich so. Aber man darf diesen Personen auch keinen Vorwurf machen. Viele machen diese Arbeit in Ihrem Verein ehrenamtlich und führen 1x in X-Jahren durch ein Schwingfest. Dazu kommt, dass Sie hauptberuflich vielleicht was Ganz anderes machen. Damit ist klar, dass diese Kolleginnen und Kollegen viel zuwenig Routine haben. Ein Spitzenschwinger geht ja auch nicht nur einmal im Jahr in den Schwingkeller.

Der Schwingsport entwickelt sich. Müssen da die Veranstalter nicht auch mit der Zeit gehen? Wir sehen da grosses Steigerungspotential.
DC: Da bin ich einverstanden. Die Schwingfeste locken heutzutage tausende von Zuschauern an, welche an Teilverbands-/ und Bergfesten bis zu CHF 50 für ein Sitzplatz-Ticket bezahlen. Da darf man auch eine professionelle Speaker-Führung durch den Anlass erwarten.

Professionalität bedeutet vielfach auch Mehrkosten. Was für eine Honorar hast Du z.B. für das Unspunnen-Schwinget 2011 für Dich beansprucht?
DC: Ich habe für ein Spesendach von CHF 1'000.—gearbeitet. (Anmerkung der Red.: Gerechnet durch die Anzahl Stunden (Vorbereitung und Event) ist das weit entfernt vom Marktpreis). Aber ich muss auch nicht davon leben. Es ist ein Hobby von mir.

Der Schwingerverband (ESV) hat die Schwäche erkannt und letztes Jahr erstmals mit Dir als Referent zwei Grundkurse durchgeführt.
DC: Ja, das ist so. ESV-Medienchef Kari Ritter hat diese initiiert und organisiert. Rund 30 Teilnehmer haben an den erstmaligen Tageskursen im Frühling 2011 in Egerkingen (SO) und Dürnten (ZH) teilgenommen. Das war eine tolle Sache, aber es ist natürlich auch klar, dass ein Tageskurs nicht die Welt verändern kann. Es wäre gut, wenn man da jetzt mit weiteren Kursen weiterfahren könnte.
Aber nicht zuletzt auch die Präsenz von Ernst Schläpfer (damals ESV-Obmann) und ESV-Geschäftsführer Rolf Gasser, zeigte mir, dass der Verband sich dieser „Schwäche“ bewusst ist und dies verbessern möchte. Das war ein wichtiges Zeichen der beiden.
Dazu hat der ESV zur Erleichterung von Allen die Möglichkeit mit den unterschiedlichen Schwinghosen (dunkle und helle) gemacht (Erstgenannter gemäss Alphabet Reihenfolge Nachnahme in heller Hose). Dies stellt schon mal eine gute Orientierung dar. Jetzt sollten aber alle mit dieser Information konsequent arbeiten, dann ist das eine super Sache. (Anm. der Redaktion: schwingenonline.ch hat bei Rolf Gasser nachgefragt, und dieser hat bestätigt, dass man solche Kurse weiterverfolgen möchte).

Was waren die Inhalte des Basis-Kurses?
DC: Die Schwerpunkte des Grundkurses lagen bei den Aufgaben eines Speakers. Abläufe, Techniken, um was geht es, bis hin zu praktischen Übungen. Und ich muss sagen, ich habe viele gute Talente gesehen.

Müsste man es nicht ähnlich wie bei den Kampfrichtern machen. Jeder Teil-/Kantonalverband muss eine gewisse Anzahl von geschulten Speakern, einen sogenannten Speakerpool stellen!?
DC: Ja, wieso nicht. Optimal wäre es, wenn jeder Teilverband in die Ausbildung eines Speakerpools (ca. fünf bis sieben geeignete Speaker) investiert. Jeder dieser Speaker könnte so jährlich 4-5 Feste im Teilverband durchführen und würde dadurch schnell auch Routine und Erfahrungen sammeln. Routine zählt zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Diese Massnahme würde die Feste definitiv aufwerten und es gäbe eine Kontinuität für Alle.

Aber es kann ja auch nicht jeder ein Speaker sein?
DC: Absolut, und das muss man dann denjenigen Personen auch fairerweise sagen. Das ist natürlich nicht immer einfach in der Ehrenamtlichkeit. Würde man einen Prozess/Speakerpool wie obenerwähnt einführen, könnte man dies schnell filtern.

Was sind den die Grundvoraussetzungen um ein guter Speaker werden zu können?
DC: Auch hier geht ohne Talent nicht viel. Zudem muss man ein gewisses „Mitteilungsbedürfnis“ haben, da man sonst am falschen Ort ist. Eine sehr gute sprachliche, lockere Ausdrucksweise, Stressresistent, ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Veranstalter, aber auch den Respekt gegenüber dem Sport und Sportler ist wichtig.
Aber ohne den entsprechenden Klang in der Stimme, nützt alles nichts. Schliesslich wollen die Zuschauer eine angenehme Stimme hören. Eine solche ist aber ein „Geschenk Gottes“. Die hat man oder man hat sie nicht. Gewisse Dialekte sind auch ein Hindernis.

Was ist dein Motto in deiner Funktion als Speaker?
DC: Die Einstellung und den „Mut“ haben, so nach dem Motto: „ So jetzt bin ich hier, und wenn ich rede, hört Ihr mir zu! Denn ich will euch durch das Fest führen. Ich bin kein Störenfried.“ Und ich habe natürlich Spass an meiner Arbeit. Wenn die Zuschauer merken, dass du Spass hast an deiner Arbeit, hast du schon viel gewonnen. Aber! Glaube niemals, dass dich alle gut finden. Dann bist du nämlich auf dem Holzweg!

Du wirst dieses Jahr 62 Jahre alt. Gehst du schon bald in Pension? Wie lange dürfen wir uns von Dir als Speaker noch begeistern lassen?
DC: Ich freue mich, dass ich durch das ESAF 2013 in Burgdorf (achte Eidg.) führen darf, wo uns neben der Ablaufregisseurin Sandra Isler mit André Ingold vom Schwingklub Herzogenbuchsee, ein Speakertalent in der Funkkoordination unterstützt. Weiter plane ich nicht. Er soll dann auch die Chance erhalten Eliane Gnägi und mich, hin und wieder abzulösen. Er war übrigens auch Teilnehmer am letztjährigen Speakerkurs.

Wird man dich dieses Jahr an einem Schwingfest als Speaker amten sehen?
Nein. Grundsätzlich ist es meine Einstellung: „Nicht den Leuten Kurse zu geben, um Ihnen dann vor der Sonne zu stehen.“ Ich werde bestimmt einige Schwingfeste besuchen, wie z.B. das Solothurner Kantonale. Vorerst möchte ich mich aber von meiner Hüftoperation erholen.

Dagobert Cahannes: «Die zehn Gebote für Speaker von Schwingfesten präsentieren wir in den kommenden Tagen, im zweiten Teil des Gesprächs».

Dagobert, herzlichen Dank für das Gespräch. Roger M. Fuchs (fox)

 

Zur Person:
Dagobert Cahannes (11. November 1950) wohnhaft in Grenchen (SO) ist hauptberuflich Medienbeauftragter der Solothurner Regierung. Zudem ist er Präsident der Schweizerischen Informationskonferenz öffentlicher Verwaltungen (SIKOV).
Seit fast drei Jahrzehnten ist Cahannes aber vor allem durch sein Hobby als Platzspeaker bekannt. Bei den Weltcup-Rennen in Wengen arbeitet Cahannes ebenso wie bei Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (seit 1992), dem CSI Zürich und dem CSIO in St. Gallen im OK mit. Sein Handwerk erlernte Cahannes beim legendären TV-Kommentator Karl Erb. Bis zu seinem 11. Altersjahr lebte Cahannes in Rorschach (SG). Er ist seit 39 Jahren mit Uschi Joss verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und bereits zweifacher Grossvater. Einer feinen Cigarre ist er nie abgeneigt.

Wikipedia-Eintrag von Dagobert Cahannes.

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