11.07.17

Redbulletin: Schwinger Remo Käser zwischen Alphorn und Rap

Schwingen hat 800 Jahre Vergangenheit und 106 Kilogramm Zukunft: Der Alchenstorfer Remo Käser ist Sohn des Schwingerkönigs von 1989 (Adrian Käser). Beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2016 festigte er vor 52.000 Fans mit Platz drei seine Position als große Zukunftshoffnung. Demnächst zu sehen ist Remo beim Unspunnenfest in Interlaken (unspunnenfest.ch), das nur alle sechs Jahre stattfindet. Der Jungstar, der gerade mal 20 Jahre alt ist, erklärt The Red Bulletin in Wörtern sein Leben zwischen Arbeit und Respekt.

TEXT: STEFAN WAGNER FOTOS: CHRISTOPH KÖSTLIN

RESPEKT

Was Schwingen so besonders macht? Das ist vor allem der Zusammenhalt. Unter Schwingern besteht ein Grundsatz der Kameradschaft. Vor und nach dem Gang (dem Kampf; Anm.) sind wir Kameraden, umschalten musst du erst in den letzten Momenten vor dem Kampf, du steigst ins Sägemehl, gibst deinem Gegner die Hand, und dann zählt nur noch, ihn aufs Kreuz zu legen. Nach dem Kampf, wenn man dem Verlierer den Rücken abgewischt hat, ist alles wieder vorbei. Man ist auch nicht nachtragend, egal wie hart der Kampf war. Der Handschlag vor und das Abwischen des Rückens nach dem Kampf sind mehr als nur schöne Gesten. Sie drücken Respekt aus, ehrlichen Respekt. Respekt und Kameradschaft, das sind die wichtigsten Begriffe unter uns Schwingern.

BÖSE

Die besten Schwinger werden „Die Bösen“ genannt. Wieso? Ich weiß es ehrlich nicht, keine Ahnung. Ich bin doch so ein Lieber! (Lacht.)

„Schwingen ist Lebensschule. Zu hundert Prozent.“

LEBENSSCHULE

Schwingen ist eine Lebensschule. Zu hundert Prozent. Schon den jüngsten Schwingern werden Fairness, Kameradschaft, Höflichkeit, Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Demut beigebracht. Von klein auf, in jedem Training. Du trainierst nicht nur Technik und Kraft, sondern auch nach diesen Werten zu leben. Du lernst auch, dass dir nur geholfen wird, wenn du auch anderen hilfst, und dass du nur auf diesem Weg eine Chance hast, ganz nach oben zu kommen. Nur mit Hilfe deiner Konkurrenten kannst du ein Böser werden. Du musst helfen, dann wird dir geholfen, dann ist allen geholfen.

ARBEIT

Es gibt ein rundes Dutzend Schwinger, die vom Sport leben könnten. Aber Vollprofi, das ist trotzdem niemand. Es ist Tradition, dass wir alle einen bürgerlichen Beruf ausüben. Ich habe eine Lehre als Spengler absolviert, jetzt bin ich Praktikant als Videojournalist bei TeleBärn. Diese Arbeit kommt mir sehr entgegen, zumal ich den Kontakt zu Menschen schätze und auch wieder etwas Neues dazulernen kann. Ich finde es richtig, dass wir alle arbeiten. Schwingen ist ein Kraftsport, da kannst du pro Tag ohnehin nicht mehr als zwei oder drei Stunden trainieren, den Rest der Zeit brauchen die Muskeln zur Erholung. Arbeit gibt deinem Tag Struktur, die Zeit einfach mit Games oder dem Handy totzuschlagen wäre falsch. Es ist besser, du nützt die Zeit sinnvoll, in der sich deine Muskeln erholen.

PROMINENZ

Vor 50.000 Leuten in eine Arena hineinzumarschieren, da läuft es dir schon eiskalt den Rücken runter. Ja, da bist du nervös, im ersten Kampf ist jeder nervös. Aber danach löst sich das bei mir. Dann hilft mir das Publikum sogar. Wenn du in der letzten Minute eines Gangs schon an der Grenze bist, macht die Energie vom Publikum bei mir noch Reserven frei, die ich allein, die ich im Training nicht freimachen kann. Ich werde auch immer besser, je größer die Anlässe sind, ich kann das, mich vom Publikum beflügeln lassen. In der Schweiz werde ich oft angesprochen, aber ich muss nur in ein Flugzeug steigen und bin anonym. Mir gefällt beides, die Anerkennung und die Anonymität. Ich bin dankbar für die Wertschätzung in der Schweiz, dafür, dass die Leute Freude haben an dem, was ich mache. Das ist ein sehr schöner Lohn für einen Sportler! Aber ich bin auch froh, wenn ich nach der Saison mit meinen Freunden ins Ausland fahren kann, wo einem nicht so auf die Finger geschaut wird. Da kann man sich dann wie ein normaler Zwanzigjähriger benehmen, das ist zwischendurch auch nötig.

„Talent bringt dich vielleicht weit, aber Wille bringt dich weiter. Davon bin ich überzeugt.“

KONZENTRATION

Während eines Kampfes höre ich nichts. Sobald das „Gut!“-Kommando vom Kampfrichter kommt, bin ich in meiner eigenen Welt. Da kann mir einer von draußen zurufen, was er will. Ich höre es nicht. Dieses Reinsteigern bei einem Wettkampf, das erzeugt eine Intensität, die ich im Training niemals erreichen kann. Nach einem Training – das kann noch so hart gewesen sein – geht es mir am nächsten Tag gut. Aber nach einem Wettkampf, da fühle ich mich wie ein Fünfzigjähriger. Das kommt daher, dass dein Körper irgendwann sagt: Halt, hier ist die Grenze, weiter geht’s nicht. Und diese Grenze kannst du im Training nicht überwinden. Aber im Wettkampf hörst du nichts, nicht einmal den eigenen Körper.

Was Remo Käser zur Schweiz sowie den Stichworten Mürbe, Stiernacken, David gegen Goliath, Rap, Angriff und Zermürben sagt, erfahren Sie im kompletten Artikel in der aktuellen Ausgabe des „THE RED BULLETIN“ und auf https://www.redbulletin.com.

TEXT: STEFAN WAGNER
FOTOS: CHRISTOPH KÖSTLIN

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