ISV-Schwinger Studer: König Forrer sollte schon etwas reifer sein
Der Schüpfheimer (LU) Benno Studer (25) vom SK Entlebucher-Schwingerverband feierte 2011 mit dem ISV-Sieg seinen grössten Sieg in seiner Karriere. Nach einem gestellten Schlussgang zwischen Philipp Laimbacher und dem Toggenburger Schwingerkönig Nöldi Forrer erbte Studer den Sieg. Das Unspunnen-Schwinget musste Studer aufgrund einer Verletzung frühzeitig beenden. Der Schreiner mit dem Trainingsort Hasle zählt Adrian Käser und Geni Hasler zu seinen Vorbilder. schwingenonline.ch blickt mit dem Innerschweizer zurück.
INTERVIEW VON RENÉ WILLENER (rw)
Seit dem Saisonhöhepunkt dem Unspunnen Schwinget in Interlaken ist schon einige Zeit vergangen. Du musstest den Wettkampf mit einer Verletzung frühzeitig aufgegeben. Was war genau passiert und wie geht es Dir sieben Wochen nach dem Unfall?
Im 2.Gang kurz vor Wettkampfende geschah es, ich drehte mich nach links ab und mein Gegner (Simon Bohner) hielt mich am Arm fest. Dadurch entstand eine Überstreckung des Ellbogens, wo der Sehnenansatz anriss. Bei der Rotation des Unterarms ist die Verletzung auch zur Zeit noch spürbar. Es wird aber von Tag zu Tag besser.
Welche Schmerzen waren grösser? Die der Verletzung, oder die der verpassten Chance auf einen absoluten Spitzenplatz, da praktisch alle Topfavoriten schon früh aus der Entscheidung um den Unspunnensieg gefallen sind.
Es war mir bewusst, dass ich nur mit einer Topleistung um eine Spitzenklassierung kämpfen kann. Durch die Verletzung war dies leider nicht mehr möglich. Trotzdem wollte ich nicht aufgeben, da ich mich lange auf diesen Wettkampf vorbereitet hatte. Das schlimmste war für mich die Verletzung, da ich so mein Potential nicht abrufen konnte.
Abgesehen vom Unspunnen Schwinget, kannst Du auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Neben sieben Saisonkränzen (darunter drei Bergkränze) ist wahrscheinlich der Sieg am Innerschweizerischen in Küssnacht dein absolutes Saisonhighligt. Was ging Dir durch den Kopf, als Du auf den Schultern deiner Schwingerkollegen durch die Arena getragen wurdest?
In so einem Moment studiert man nicht. Ich persönlich genoss den Augenblick. Dieses Gefühl vor so vielen Zuschauern, da bekomme ich Heute noch Hühnerhaut.
Nach dem Fest gab es einige Diskussionen über die strenge Einteilung (6 Eidgenossen) gegen den Gast Nöldi Forrer. Viele Zuschauer, Presseleute, Funktionäre aber auch Schwinger sahen den Toggenburger an diesem Tag als besten Schwinger. Der enttäuschte Forrer machte nach dem gestellten Schlussgang sogar am TV abschätzige Bemerkungen über deinen Festsieg, da er dich im zweiten Gang besiegt hatte. Macht es dich traurig, wenn im Zusammenhang mit dem Innerschweizerischen mehr über Forrer als über den Festsieger Studer berichtet wurde?
Sehen wir es so, mit fünf Plattwürfen gegen gute Gegner habe ich meine Leistung gebracht. Dies reichte schlussendlich zum Sieg. Gegen Nöldi suchte ich den Sieg, sprudelte vor Energie und wollte unbedingt gewinnen. Da ich zwei mal nahe am Sieg war, ging ich beim dritten Zusammengreifen etwas Kopflos zur Sache und wurde von Nöldi mit einem Konter bestraft. Was die Medien berichten ist das Eine, doch was Nöldis Bemerkungen betreffen, bin ich schon etwas enttäuscht. Er als König, sollte da schon etwas reifer sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jörg jemals so etwas gesagt hätte.
Nach dem zweiten Gang auf der Schwägalp traf ich Dich kurz hinter der Tribüne. Auf die Frage, gegen wenn Du am liebsten den dritten Gang bestreiten möchtest, kam sofort Nöldi Forrer als Antwort. Dein Wunsch wurde erfüllt und es kam zur Revanche gegen Forrer. Mit welcher Taktik gingst Du in den Ring?
Nach seinen Aussagen war es am Innerschweizerischen eine klare Sache, darum freute ich mich auf unser Wiedersehen auf der Schwägalp. Wir Innerschweizer wurden immer kritisiert, dass wir keine Mannschaft hätten. Ich durfte durch unsere Mannschaftsleistung das ISV gewinnen, somit hatte ich kein Problem mich auf der Schwägalp in die Dienste der Mannschaft zu stellen. Ich stellte mich dem Kampf, überlies aber Forrer das Wettkampfgeschehen. Seine Angriffslust sparte er sich wahrscheinlich für die Medien auf, denn der Gang ging ohne sehenswerte Angriffe zu Ende. Ich war schon etwas irritiert, weil Nöldi nicht einmal seinen Gammen ansetzte. Dafür beschwerte er sich später wieder einmal in den Medien über mich…
Die Schwingersaison 2011 war an der Spitze sehr ausgeglichen. Die Anzahl der absoluten Spitzenschwinger und Kranzfestsieger hat in dieser Saison noch einmal zugenommen. Schwingen ist populär wie noch nie, immer mehr Schwinger sind Botschafter von bekannten Unternehmen und besitzen lukrative Werbeverträge. Was sagst Du zu dieser Entwicklung im Schwingsport, und wie sieht es bei Dir mit Sponsoren und Gönnern aus? Wirst du auch von einem Manager betreut?
Man hört immer wieder, wie einzelne Schwinger lukrative Verträge abschliessen. Ich habe keinen Manager, das könnte der Grund sein, weshalb ich keine so hoch dotierte Verträge besitze…
Ein Blick in die Zukunft. Das nächste Jahr ist ein sogenanntes Zwischenjahr, also ohne einen eidgenössischen Anlass. Einige Schwinger nützen die Zeit für andere Projekte, (z.B. Weiterbildung, grössere Reise, Hochzeit,…) oder fahren den Trainingsaufwand ein wenig zurück. Wie sieht die Planung bei Dir aus? Und wie verbringt die wettkampffreie Zeit im Winter?
Im September arbeiteten wir sehr hart und lange, so blieb mir auch keine Zeit zum trainieren. Seit dem Unspunnen Schwinget habe ich kein Training mehr absolviert. In erster Linie kuriere ich meine Verletzungen aus, was die Basis für die nächste Saison ist. Geplant sind auch keine grösseren private Projekte. Mein Training fürs nächste Jahr wird sicher etwas später starten, trotzdem freue ich mich auf die Saison 2012.
Die meisten Leute kennen nur den Schwinger . Wo trifft man Dich sonst noch, ausser im Sägemehl oder im Kraftraum?
Zuhause, oder beim arbeiten auf der Baustelle!! -)
Zum Schluss noch zwei Fragen zu schwingenonline.ch Wie findest Du persönlich das Internetportal schwingenonline?
Bietet immer wieder interessante Themen zum durchstöbern.
Welche Schlagzeile über , würdest Du im nächsten Jahr auf Schwingenonline.ch gerne lesen?
Erfolgreicher Saisonauftakt für Benno Studer.
Benno, besten Dank für das Interview.
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