18.09.11

Der Schwingtourist – Unspunnen-Schlussgangteilnehmer ohne ganz Böse

Bösch gewinnt gegen Christian Schuler im Schlussgang vom Unspunnen 2011

Das Schwing-Highlight der Saison, das Unspunnen-Schwinget 2011, ist bereits wieder Geschichte. Und es gilt wieder sechs Jahre zu warten, bis es auf der Höhenmatte in Interlaken zum nächsten ganz grossen Schwingfest kommt. Wer aber glaubt, dass das Unspunnen von vor zwei Wochen nicht mehr Thema ist, täuscht sich.

KOLUMNE – VOM SCHWINGTOURIST FÜR SCHWINGTOURISTEN

Zwei Fragen, die noch immer beschäftigen, sind:

  1. Wieso bringt man nach Siegen in der Spitzenpaarung bereits im 2. Gang die Topfavoriten Forrer und Sempach zusammen?
  2. Wieso hatte das Notenblatt der beiden Schlussgangteilnehmer (Schuler und Bösch) keinen ganz Bösen, wie z.B. einen Nöldi Forrer, Wenger, Stucki, Sempach oder Bruno Gisler?

Bereits in der ersten Schwingtourist-Kolumne vom 3. August 2011 mit dem Titel „Hartes Brot für Gastschwinger“ wurde die spezielle Situation im Schwingsport, was die Einteilung der Schwingpaarungen betrifft, hingewiesen. Im Falle des Unspunnen-Schwinget, wo es sich um ein Schwingfest mit Eidgenössischem Charakter handelt, sollte es eigentlich keine direkt Benachteiligte geben.

Ausser man ist Schwingerkönig, welchen man eher ein wenig härtere „Brocken“ hinwirft. In diesem Falle war dies die Spitzenpaarung des amtierenden Schwingerkönigs Kilian Wenger und dem anderen Schwingerkönig im Feld Nöldi Forrer. Das ist alles nachvollziehbar. Und so ergaben sich dann auch die weiteren Spitzenpaarungen.

Nach diesem Motto musste wohl die Zusammenstellung des 2. Gangs entstanden sein. Die Einteilung meinte es mit Nöldi Forrer nicht wohlwollend. Nach seinem starken Sieg gegen den amtierenden Schwingerkönig teilte man ihm Matthias Sempach, den Topfavoriten auf den Unspunnensieg (gemäss Medienlandschaft und Wettquoten Sporttip) zu. Zweifach bitter für Forrer. Einerseits liegt ihm Sempach nicht wirklich, andererseits war es der härteste „Brocken“, den man ihm überhaupt geben konnte. Eines war klar. Man wollte keinen Unspunnen-Sieger Nöldi Forrer. Und wenn doch, dann nur über ein ausserordentliches Notenblatt. Oder wie kann man diese Einteilung sonst erklären?

Aus Sicht von Sempach war die Zuteilung natürlich ebenfalls nicht gerade vorteilhaft. Dass man ihn nach seinem raschen Erfolg im ersten Gang gegen den ISV 2011-Sieger Benno Studer gleich im zweiten Gang so hart anpackt, kann sich niemand so richtig erklären. Schliesslich ist er weder Schwingerkönig, noch Unspunnen- oder Kilchberg-Sieger. Auch wenn Experten sagen, dass egal wie der zweite Gang ausgegangen wäre, das Fest für beide noch nicht gelaufen sei. Dem kann man klar entgegenhalten, dass man sich keinen weiteren „Ausrutscher“ oder Gestellten leisten dürfte, denn man musste mit einem gestellten Gang rechnen (wie bereits am St. Galler Kantonalen 2011). Und dies ist im Fall von Sempach, der aufgrund einer Verletzungsabsage seines offiziellen Gegners im verzögerten 3. Gang kurzfristig auf den Überraschungsmann des Tages, Thorsten Betschart (Schlussrangliste 4b) traf, wie auch von Forrer im 4. Gang (Willy Graber. Dieser Gang wurde ja aufgrund falscher Zeitmessung eine Minute zu früh beendet. Für Forrer wie auch für Sempach hatte dieser Tag also seine Tücken. Das ist für die Betroffenen natürlich ein kleiner Dank, wenn Werner Jakob, der vorsitzende Technische Leiter im Nachhinein sagt, dass er die Einteilung Sempach/Forrer im zweiten Gang so nicht mehr machen würde. Umso härter, da das Unspunnen nur alle sechs Jahre stattfindet, womit zumindest für Forrer die letzte Chance auf den Unspunnensieg vertan ist.

Und so kam es dann auch, dass viele der Favoriten bereits am Mittag nicht mehr direkt um den Sieg mitschwingen konnten, was natürlich von den vielen Zuschauern in der Arena, wie auch zuhause an den Bildschirmen nicht wirklich goutiert wurde. Es bleibt aber auch zu sagen, dass niemand damit rechnen konnte, dass ein Stucki, Gisler und Wenger derart schlecht in den Tag starten würden.

Aber alles wäre ja nochmals anders, wenn man eine einheitliche Linie gefahren wäre. Aber stattdessen hat man z.B. dem Mitfavoriten und Schwägalp-Sieger 2011 Christian Schuler nach einem gestellten ersten Gang (Glarner) mit Reto Schmid und Pascal Hirt zwei leichtere Gegner serviert. Erwähnenswert im Notenblatt des Innerschweizer Schlussgangteilnehmers war einzig der Sieg im vierten Gang gegen den erweiterten Spitzenschwinger Michi Bless. Ein Notenblatt, welches niemand vom Stuhl riss. Auch der letztendliche Sieger Dani Bösch hat keinen der oben erwähnten ganz Bösen auf seinem Notenblatt, was natürlich auch einen leichten Beigeschmack hat.

Ob das im Sinne des Schwingsports ist? Oder hat sich das Einteilungskomittee an diesem Tag einfach vertan? Oder haben die Spitzenschwinger nicht so geschwungen wie von den Technischen Leitern erwartet? Oder gehört das einfach zum Schwingsport dazu? Letzteres kommt wohl am nächsten, was uns wieder dazu bringt, dass im Schwingsport der Sportgeist „der Beste soll gewinnen“ leider manchmal auf der Strecke bleibt.

Der Schwingtourist gratuliert dem sympathischen NOS-Schwinger Dani Bösch zu seinem Unspunnen-Erfolg. Denn bis auf Benji von Ah (Gestellt mit 9.0) hat er alles aus dem Weg geräumt, was ihm zugeteilt wurde. Weiter so!

Hier geht es zur Statistik.

Die Kolumne "Der Schwingtourist für Schwingtouristen" ist entstanden, da sich immer mehr neue Besucher an Schwingfesten tummeln. Das dabei Fragen und Diskussionen aufkommen, ist selbstverständlich. Der Schwingtourist bringt Ihnen diese näher.

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