31.08.11

Unspunnen: Die Berner können nur an sich selber scheitern

Der Bernisch kantonale Schwingerverband strebt nach dem Königstitel und dem Kilchbergsieg am Sonntag in Interlaken auch nach dem Unspunnensieg. Niklaus "Chlöisu" Gasser war im Jahr 1987 der bisher letzte Berner Sieger auf der legendären Unspunnenwiese von Interlaken. Im 32-köpfigen Berner Unspunnenkader befinden sich unter den vielen Spitzenschwingern gleich mehrere absolute Topfavoriten auf den Siegermuni Heveticus II. Mit einer geschlossenen Teamleistung wie vor Jahresfrist in Frauenfeld, oder vor vier Jahren am Kilchberg werden die Berner kaum zu schlagen sein. Die einzige Gefahr für den favorisierten Teilverband besteht darin, welche Taktik der Technische Leiter Samuel Feller bei so vielen Siegesanwärter in den eigenen Reihen, wählt. Nach dem Motto: "zu viel Köche verderben den Brei"! Wahrlich ein Luxusproblem für den Bernisch kantonalen Schwingerverband.

VON RENÉ WILLENER (rw)

Sempach in der Pole Position
Nach dem bisherigen Saisonverlauf startet der Alchenstorfer Matthias Sempach aus der Pole Position. Der 62 fache Kranzgewinner siegte am Oberländischen und auf dem Brünig und teilte sich am Oberaargauischen Jubiläumsfest mit drei weiteren Schwingern den Festsieg. Am Bern-Jurassischen stand Sempach zudem im Schlussgang und am Innerschweizerischen und beim St.Galler Kantonalen gewann er als Gast jeweils souverän den Kranz. Dem gelernten Landwirt und Metzger fehlt bisher noch ein eidgenössischer Titel. Vor vier Jahren verfehlte Sempach den Kilchbergssieg nach fünf Siegen und einem gestellten Schlussgang nur ganz knapp um einen viertel Punkt hinter dem Sieger Christian Stucki.

Mit Stucki muss man rechnen
Der 142 Kilogramm Schwere und 198 cm Grosse Stucki zählt auch am Unspunnen zu den absoluten Topfavoriten. Der Schnottwiler gewann mit dem Berner-Jurasischen und dem Seeländischen dieses Jahr zwei Berner Kranzfeste. Unter den sieben Saisonkränzen befinden sich zwei Bergkränze (Schwarzsee, Stoos). Auf den dritte angestrebte Bergkranz dieser Saison musste der 68 fache Kranzgewinner verzichten, da er sich auf dem Brünig im ersten Gang im Nackenbereich verletzte und den Wettkampf aufgeben musste. Beim Comeback am vergangenen Sonntag am Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest belegte der Seeländer den guten dritten Rang. Stucki ist einer der wenigen Schwinger, der an einem guten Tag gegen jeden Gegner gewinnen kann.

Der König ist und bleibt Topfavorit
Einer der praktisch gegen jeden Gegner immer den Sieg anstrebt ist der junge Schwingerkönig Kilian Wenger aus Horboden. Als König ist der Diemtigtaler der Gejagte und Favorit zugleich. Der Sieger des diesjährigen  Bernerkantonalen hat jedoch schon mehrmals bewiesen, dass er mit Druck umzugehen weiss. Eine Daumenverletzung zu Beginn der Saison zwang den König zu einer längeren Wettkampfpause. Zuletzt kam Wenger immer besser in Fahrt und will am Unspunnen Schwinget erneut für positive Schlagzeilen sorgen. An Unterstützung wird es für den sympatischen Oberländer in Interlaken sicher nicht fehlen. Neben den einheimischen Schwingerfans werden wieder viele weibliche Zuschauer wegen dem begehrten Schwingerkönig nach Interlaken pilgern.

Die starke zweite Reihe
Thomas Zaugg, Thomas Sempach, Simon Anderegg und Matthias Glarner bilden ein weiteres Eidgenossen-Quartett, welches zu den erweiterten Favoriten auf den Festsieg zählt. Alle gewannen diese Saison mindestens ein Kranzfest. Glarner demonstrierte seine Form zuletzt am Berner kantonalen in Oberdiessbach. Der Meiringer wurde erst im Schlussgang von Wenger gestoppt, verletzte sich aber bei dieser Aktion am Fuss und wird erst am Sonntag wieder ins Sägemehl steigen. Der 64 fache Kranzgewinner wird sich daher wahrscheinlich eher in die Dienste der Berner Mannschaft stellen, als selber den Festsieg anstreben. Unterstützung erhält Glarner dabei vorallem von seinem Cousin und Schwarzseesieger Simon Anderegg, aber auch von den zähen Hansruedi Lauper, Hanspeter Luginbühl oder Beat Salzmann, die alle als exzellente Defensivspezialisten gelten und daher sehr schwer zu besiegen sind.

Luginbühl und Salzmann führen zusammen mit Florian Gnägi die starken Berner Nicht-Eidgenossen an. Während sich der Aeschirieder Hanspeter Luginbühl und der Signauer Beat Salzmann (ist wegen einer Knieverletzung vom Wochenende am Kemmeriboden Schwinget noch fraglich) am Unspunnen vorallem um die Defensivarbeit kümmern, bewies Gnägi dass mit dem zweifachen Saisonsieger (Mittelländisches, Südwestschweizerisches) auch in Interlaken zurechnen ist. Er zählt daher mit den Mittelländer Eidgenossen Reto Maurer und Willy Graber ebenfals zum erweiterten Favoritenkreis. Graber ist dank seiner spektakulären Schwingweise zudem ein absoluter Publikumsliebling. Der Bodenspezialist wird daher auch am Sonntag die 15 000 Fans wieder begeistern.

Speziell motiviert werden die Einheimischen Samuel Blatter aus Matten bei Interlaken und Niklaus Zenger aus dem benachbarten Habkern sein, findet das Fest praktisch vor ihrer Haustüre statt. Für die beiden Nachwuchshoffnungen wird es ein wichtiger Test im Bezug aufs Fernziel dem Eidgenössischen Schwing- und Aelplerfest 2013 in Burgorf. Dasselbe gilt für die aufstrebenden Dominik Bloch, Christian Gerber, Heinz Habegger, Simon Jampen, Bernhard Kämpf, Adrian Schenkel oder Ruedi Roschi.

schwingenonline.ch freut sich auf ein spannendes Unspunnen Schwinget 2011.

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