05.09.14

Kilchberger 2014: Berner können sich nur selber schlagen

Kilchberg ZH – Die 15 köpfige Delegation der Berner Schwinger ist beim diesjährigen Kilchberg Schwinget klar zu favorisieren. Nicht weniger als ein halbes Duzend Spitzenschwinger gehören beim bevorstehenden Kräftemessen zu den absoluten Topfavoriten. Eigentlich können sich die Mutzen nur selber schlagen.
schwingenonline.ch ist in Kilchberg am kommenden Sonntag live vor Ort und berichtet auf der Facebook-Fanpage laufend mit aktuellen Resultaten, Ranglisten und Fotos vom Saisonhöhepunkt.

von René Willener (rw), schwingenonline.ch

Kein zweites Unspunnen
Beim letzten vergleichbaren Anlass, vor drei Jahren in Interlaken war die Ausgangslage im Vorfeld auf den Saisonhöhepunkt ähnlich. Nach der Übernahme der Vormachtstellung, anlässlich des Kilchberg Schwingets 2008 und dem Königstitel von Kilian Wenger in Frauenfeld, starteten die Berner Schwinger als absolute Topfavoriten zum traditionellen Unspunnen Schwinget. Die Frage lautete nicht ob die Mutzen gewinnen, sondern nur welcher Schwinger die Nachfolge von Martin Grab antritt. Bereits zur Mittagspause lagen die meistgenannten Anwärter auf den Sieg abgeschlagen zurück und mussten so ihre Ambitionen zur Halbzeit begraben. Trotz einer Aufholjagd in den Gängen vier bis sechs reichte es nicht mehr ganz an die Front und der Schlussgang fand gar ohne Berner Beteiligung statt. Die Höchststrafe für den erfolgsverwöhnten Teilverband, da am Unspunnen, wie am Sonntag in Kilchberg nur der Sieg zählt und keine Kränze abgegeben werden. Hätte es jedoch solche gegeben, wäre mit 7 von 15 hypothetischen Auszeichnungen die Bilanz der Berner nicht so negativ ausgefallen.
Nach der erneuten Dominanz beim vergangenen Eidgenössischen in Burgdorf, hat sich somit an der Tatsache nichts geändert, dass der Sieger am kommenden Sonntag eigentlich nur aus den Reihen der Berner stammen kann. In der abgelaufenen Kranzfestsaison distanzierten sich die Mutzen nochmehr von den restlichen vier Teilverbänden und dominierten die Bergkranzfeste mit Berner Beteiligung mehrheitlich nach Belieben. Nur einmal, beim ersten Bergklassiker der Saison 2014 auf dem Stoos, standen die Berner zu Beginn des Wettkampfs regelrecht neben den Schuhen und verschliefen den Auftakt total. Nach einer gemeinsamen Verschwörung, vor dem magischen Mythen, starteten  ie nach der Mittagspause zu einer eindrücklichen Aufholjagd, welche schlussendlich mit einem Doppelsieg von Kilian Wenger und Christian Stucki endete. Dieses historische Bild, vor dem Schwyzer Hausberg dient nun als Symbol der Geschlossenheit des Berner Teams. Ein zweites Unspunnen soll somit verhindert werden.

Sechs Schwinger in der Favoritenrolle
Nicht weniger als sechs Schwinger prägten die aktuelle Saison im stärken Teilverband und zählen somit zu den heissesten Trümpfe auf den Prestigesieg in Kilchberg. Diese werden immer noch angeführt von den beiden Schwingerkönige Matthias Sempach und Kilian Wenger sowie dem aktuellen Kilchberg Sieger Christian Stucki.
Der Alchenstorfer Matthias Sempach war dabei einmal mehr des stärkste dieses illustren Trios und kam zu insgesamt fünf Kranzfestsiegen. Wenger machte sich einen Namen als ultimativer Bergkönig. Drei der vier Vollerfolge feierte der 24 jährige Oberländer an Bergkranzfesten. Der dritte im Bunde, Christian Stucki gewann zusammen mit Wenger auf dem Stoos und krönte seine Saison mit dem grossartigen Sieg am Nordwestschweizerischen Teilverbandsfest. Daneben fehlte vielfach nur wenig, oder das berüchtigte „Vierteli“ zu weiteren Schlussgangsteilnahmen oder Festsiegen.
Hinter den drei arrivierten Teamleadern, rückten mit Florian Gnägi, Matthias Siegenthaler und Matthias Glarner drei weitere Eidgenossen auf. Dank jeweils zwei Kranzfesterfolgen zählen diese drei Spitzenschwinger ebenfalls zu den Favoriten.
Der Seeländer Florian Gnägi gewann der Auftakt am Mittelländischen und mit dem Bernisch Kantonalen den Abschluss der bernischen Gauverbandsfeste. Dazwischen setzte er vor allem am Nordostschweizerischen für Gesprächsstoff. Mit einem beherzten Auftritt lag der Gästesieg lange Zeit in Reichweite, am Schluss war die Gegenwehr der Einheimischen mit nicht weniger als fünf Eidgenössischen Kranzschwingern auf dem Notenblatt doch zu gross. Gnägi schmückte seine Leistung in der Fremde immerhin mit Eichenlaub und setzte zudem eine Duftmarke, welche auch ausserhalb der Berner Kantonalgrenze registriert wurde.
Der Emmentaler Matthias Siegenthaler, welcher bereits vor Jahresfrist am Eidgenössischen gross auftrumpfte, lieferte sein Meisterstück mit dem Sieg über Christian Stucki im Schlussgang des Berner Jurassischen ab. Daneben erbte der gebürtige Truber den Sieg am Schwarzsee. Siegenthaler ist zudem der einzige Schwinger, welche in dieser Saison die beiden Schlussgangteilnehmer vom Eidgenössischen in Burgdorf bodigte.
Zu guter Letzt darf sich mit dem Meiringer Matthias Glarner ein weiterer Berner Schwinger Chancen auf den grossen Wurf ausrechnen. Glarner durfte sich zweimal als Festsieger feiern lassen und stand zudem auf dem Brünig im Schlussgang. Einziger „Makel“ beide Siege kamen nicht nach einem Schlussgangtriumpf zu Stande. Am Seeländischen profitierte der 28 jährige Sennenschwinger von einem gestellten Finale und am Nordwestschweizerischen teilte er sich den Sieg mit Stucki. Glarner ist ein Schwinger der stets solide Leistungen erbringt. Seine insgesamt 91 erschwungenen Kränze unterstreichen seine enorme Konstanz. Er gilt als wichtige Teamstütze und könnte durchaus  in die Bresche springen, sollten die topgesetzten Trümpfe schwächeln.

Emmentaler und Oberländer bilden das Fundament
Neben Matthias Glarner ist das 15 köpfige Berner Team mit weiteren mannschaftsdienlichen Athleten bestückt, welche für ein solides Fundament verantwortlich sind. Nur mit einer geschlossenen Teamleistung kann der Festsieg realisiert werden.
Gebildet wird dieses Fundament vor allem von den Vertretern aus dem Emmental, mit Thomas Sempach, Thomas Zaugg und den beiden aufstrebenden Matthias Aeschbacher und Philipp Reusser, sowie den Oberländern Simon Anderegg, Bernhard Kämpf und Beat Wampfler.
Sempach, Zaugg und Anderegg würden in anderen Teilverbände wahrscheinlich sogar zu den Favoriten zählen, schliesslich haben diese Schwinger mit den Siegen auf der Schwägalp (Sempach 2008 und Zaugg 2012) sowie am Schwarzsee (Anderegg und Zaugg 2011) ebenfalls bereits topbesetzte Anlässe gewonnen. Dies ist ein weiteres Indiz der momentanen Stärke im Kanton Berner.
Der Emmentaler Thomas Zaugg hat zudem bereits am vergangenen Unspunnen Schwinget vor drei Jahren gezeigt, dass er bei optimalem Wettkampfverlauf durchaus um den Sieg bei einem eidgenössischen Anlass mitreden kann. Hätte Florian Gnägi im fünften Gang den Angriffen des späteren Festsiegers Daniel Bösch bis zum Ende des Ganges standgehalten, wäre Zaugg anstelle des Toggenburgers im Schlussganggestanden. Ob der Routinier am Sonntag erneut an vorderster Front mitschwinget, wird sich zeigen. Es wäre dem sympathischen Sennenschwinger zu gönnen, wegen den heftigen Unwetterschäden, welche kürzlich in seiner Wohngemeinde Schangnau für grössere Verwüstungen sorgten, hatte der Familienvater in letzter Zeit nicht viel zu Lachen.

Remo Käser wieder fit
Komplettiert wird das Team von einem Mittelländer und einem Oberaargauer, welche beide das Potential zum Publikumsliebling besitzen. Seit dem Rücktritt vom Südwestschweizer Hanspeter Pellet am Eidgenössischen in Frauenfeld, schlüpfte Willy Graber dank seiner eigenen und spektakulären Schwingweise in die Rolle des Publikumslieblings. Der Bodenspezialist aus Bolligen wird auch am Sonntag in Kilchberg erneut für Stimmung in der Arena sorgen.
Remo Käser konnte in seiner jungen Karriere ebenfalls bereits viele Schwinger Herzen erobern. Das 17 jährige Talent verdiente sich seine Selektion mit nicht weniger als sechs Saisonkränzen. Darunter der Bergkranz am Schwarzsee. Hätte sich der Oberaargauer nicht beim Bernisch Kantonalen in St.Imier im vierten Gang verletzt, wäre mit grösster Wahrscheinlichkeit noch ein weiterer Kranz dazu gestossen. Der Sohn vom Schwingerkönig Adrian Käser hat seine Verletzung auskuriert und kann somit am Sonntag beim Kilchberg Schwinget starten.
Somit bleibt den beiden Ersatzschwingern Beat Salzmann und Simon Jampen nur die Rolle als Zuschauer.

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